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Nachhaltigkeit im Möbeldesign

Über Nachhaltigkeit im Einrichtungssektor wird gerne und viel gesprochen. MZE legt Wert auf eine fachspezifische Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsthemen. Deshalb haben wir uns mit dem Designer & Architekten Christian Kroepfl über Nachhaltigkeit im Möbeldesign unterhalten.

Ein Expertenblick auf Nachhaltigkeit in der Einrichtungsbranche

Christian Kroepfl ist renommierter Architekt und Designer. Er widmet sich verstärkt der Nachhaltigkeit im Möbeldesign und bringt regelmäßig ExpertInnen aus unterschiedlichen Disziplinen (Produktentwickler, Architekten, Bauingenieure, Tischler, Designer, Hersteller und Künstler) zusammen, um den interdisziplinären Austausch zur Nachhaltigkeit zu fördern. Er gab im Gespräch mit MZE spannende Einblicke und neue Perspektiven:

Herr Kroepfl, Sie haben ursprünglich Architektur & Städtebau studiert. – Was hat Sie in den Bereich Möbeldesign geführt?

„Nach meinem Studium mit Schwerpunkt Architekturtheorie und Städtebau stieg ich beim renommierten Architekten Roland Rainer ein. Dort wurde viel im Detail gearbeitet. Bei Planungen wurden immer auch die Möbel bzw. die Innenausstattung berücksichtigt und man verfolgte die Philosophie des Universalgestalters. Durch das vielfältige Tätigkeitsfeld kam ich also früh auch mit Möbeldesign in Berührung. Dafür stehe ich bis heute: Es geht um die Philosophie der Gestaltung. 2013 kam dann die Anfrage eine ganze Möbelkollektion zu gestalten. Der dabei entstandene Tisch KT11 erhielt weltweit zahlreiche Designawards und gilt hierzulande als Blaupause für den Trend zu Tischgestellen aus Holz und Metall mit X-Beinen. Dieses Möbelstück hatte Impact auf die österreichische Möbelindustrie. Heute ist mein hauptsächliches Tätigkeitsfeld die Produktentwicklung. Neue Entwurfsverfahren mit allen vor- und nachgelagerten Prozessen zu entwickeln, das reizt mich besonders.“

Sie sind gebürtiger Vorarlberger. – Das Bundesland gilt als internationaler Vorreiter im Bereich Holzbaukunst. – Haben Sie diese Wurzeln in Ihrer Arbeit beeinflusst?

„Ja, absolut. Umweltschutz war in meiner Heimat schon sehr früh ein Thema. Vorarlberg hatte speziell in den 80er und 90er Jahren einen Boom in der Architektur und das hat mich beeinflusst. Wir haben exzellente Handwerker, die Beeindruckendes schaffen. Aber auch im Ländle wird es Wandel brauchen – z.B. mehr Verdichtung, um den Bodenverbrauch in den Griff zu bekommen.“ 

Wie sehen Sie die Entwicklung des Möbeldesigns in Österreich? Haben die letzten Jahre Veränderungen gebracht?

„Manche Hersteller gehen aktuell weg von der konservativen, österreichischen Formensprache. Das Design wird internationaler. Ich finde das mutig und war auf der diesjährigen möbel austria positiv überrascht. Es wird auch spannend, welche Auswirkungen KI auf die Designentwicklung haben wird. Sustainability ist bei mir schon ein Schwerpunkt seit meinem Studium. Vor 20 Jahren hat das quasi niemanden interessiert, aber heute findet man Gehör. Wenn man derzeit mit Politik und Industrie spricht, merkt man, es tut sich etwas. Für uns Produktentwickler heißt das, dass wir auch beratend in Unternehmensprozesse eingebettet werden. Wir arbeiten mit Umwelttechnikern und Smart Sales Experten, um ganzheitliche Nachhaltigkeitskonzepte zu entwickeln. Erst jüngst haben wir eine CO2-negative Möbelserie entwickelt, wo wir den Regeln einer zirkulären Kreislaufwirtschaft folgend auch Transport, Funktionen für Auf- und Abbau, Verpackung etc. mitgedacht haben. Nachhaltigkeit wird in Zukunft jeden Möbelhersteller betreffen – die EU-Richtlinien geben den Weg vor. CO2 neutral ist in jedem Fall realisierbar. Auch CO2-negativ ist möglich, aber das erfordert einen komplett durchdachten Kreislauf.“

Wie definieren Sie nachhaltiges Möbeldesign? – Wie kann Nachhaltigkeit das Design perfektionieren und umgekehrt?

„Neue Anforderungen beeinflussen auch Formen. Das Design allein ist aber nicht nur die formale Gestaltung. Dazu gehören auch Branding sowie das Engineering mit Blick auf Konstruktion und Materialien. Möbeldesign geht heute fließend in die Arbeit des Ingenieurs über. Die Professionen müssen immer enger zusammenarbeiten. Circular Design muss weitergedacht werden. Die Form allein macht nichts nachhaltig. Produzenten müssen dafür alle Fertigungsprozesse beleuchten. Man muss alle Bauteile analysieren. Wie gestaltet man Komponenten mit Blick auf Wiederholbarkeit?  Gibt es ein Bauteil mit sehr schlechter CO2-Bilanz, dann sollte man dieses ersetzen. Wenn Nachhaltigkeit nicht sauber implementiert wird, dann funktioniert es nicht und das Projekt ist aus unternehmerischer Perspektive sinnlos.“

Ist Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich? – Diese Fragestellung beschäftigt viele Unternehmer.

„Absolut – Nachhaltigkeit muss per definitionem wirtschaftlich sein! Wer seine Prozesse komplett nachhaltig aufstellt, wird damit auch monetär einen Erfolg landen. Wenn das nicht so ist, ist es aus meiner Warte kein nachhaltiges Konzept.“

Wie schätzen Sie die Nachfrage für nachhaltiges Möbeldesign am österreichischen Markt ein?

„Ich denke, dass die Nachfrage zu nachhaltigem Design steigen wird. Es gibt eine neue Generation, für die das sehr wichtig ist. Die Problematik liegt im Greenwashing – wenn die Thematik einen negativen Touch bekommt, dann verlieren die Menschen den Glauben daran. Es gilt also die Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen. Transparenz ist hier das Schlüsselwort! Kennzahlen und Fakten müssen offen und einfach für den Endverbraucher zugänglich sein. Ohne diese Basis wird es nicht funktionieren und die Branche könnte starke Vertrauensverluste erleiden.“

Ist der regionale Tischler & Einrichter bei nachhaltigen Einrichtungskonzepten im Vorteil?

„Sie sind im Vorteil, wenn sie sich ihrer Stärken bewusst sind. Die Nachhaltigkeit sieht bei klein- und mittelständischen Betrieben anders aus. Sie können durch die Kleinteiligkeit viel schneller auf Veränderungen reagieren. Das kann die Großfläche zum Beispiel nicht. Für den Mittelstand im Einrichtungssektor werden Kooperationen immer wichtiger, um die Herausforderungen zu meistern. Wenn sich für einen Tischlerbetrieb zur Entwicklung einer nachhaltigen Linie ein Produktentwickler nicht rechnet, dann muss man sich mit Kollegen zusammenschließen. Auch beim Einsatz unterschiedlicher Werkstoffe und Techniken – hier ist Offenheit und ein gemeinsames Tun in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg.“

Wie können Einrichter mit nachhaltigem Möbeldesign bei Kunden punkten? Haben Sie einen Praxis-Tipp für unsere MZE-Mitglieder parat?

„Das lässt sich in zwei Worten ausdrücken: Glaubwürdigkeit & Transparenz. – Kein Greenwashing betreiben und stattdessen messbare Projekte realisieren, die man offen und ehrlich kommuniziert. Genau das wollen Kunden und das werden sie auch honorieren.“

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